Pripjat und Tschernobyl          

Eine Reise in die Sperrzone

 

Es ist März. Der Winter hat seinen eisigen Klammergriff gelöst. Dennoch, die Einsamkeit ist weiterhin allgegenwärtig.

Und diese ist kalt. Kalt wie die Winter hier. Die Winter, die seit jeher vergangen sind. Vergangen seit dem Unglück.

Dieses Unglück, welches vor gut einunddreißig Jahren über mehr als fünfzigtausend Menschen hereingebrochen ist.

Ich stehe mitten in Pripjat vor dem ehemaligen Kulturpalast. Eine Blechdose rollt scheppernd über den rauhen Betonboden.

Sie wird getrieben von einem sanften Wind, der um die Reliefs der monumentalen Bauten und durch die noch laublosen Bäume rauscht.


Ja die Bäume, die stillen Verwalter dieser Stadt. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die offenen und tiefen Wunden im Frühling mit ihrem zarten Blattwerk zu bedecken um ein Zeichen zu setzen, dass das Leben nicht gänzlich aus dieser, einst so wunderschönen Stadt gewichen ist.
Auch die Vögel sind geblieben und empfangen jeden Besucher,

kommt er in Trauer oder aus Interesse in diese Stadt, mit ihrem Gesang.

Es war nicht die Sensationslust, die mich in diese Welt gezogen hat.

Es war der Drang zu sehen, wie Mensch und Natur mit dieser Katastrophe zurecht kommen.
Und ja, es gibt sie, die Felse in der Brandung. Ob Mensch, technisches Gerät oder Flora und Fauna.

Von allen haben es die härtesten bis in die Gegenwart geschafft. Besonders den dort noch lebenden Menschen gilt mein allergrößter Respekt.

Die Gastfreundschaft und der vorzügliche, selbstgebrannte Wodka waren eine Wohltat in dieser apokalyptischen Welt.

Und dennoch war es mir höchste Verpflichtung, auch die schmerzlichen Dinge vor mein Objektiv zu nehmen.

Verlassene, verwahrloste Klassenräume, in denen einst Weichen für die Zukunft gestellt wurden.

Kindergärten, in denen traurig das Spielzeug auf die Rückkehr der fröhlichen Kinder wartet.

Krankenhäuser, in denen engagierte Menschen den hilfebedürftigen mit ihrer Kraft zur Seite standen. Bis zu Letzt.
All das und unzählige weitere Relikte manifestieren das abrupte Enden einer lebendigen Welt.

Ich widme diese fotografische Arbeit insbesondere den Verstorbenen. Aber auch den noch Lebenden, die es geschafft haben, nach der Katastrophe standhaft zu bleiben und - wenn auch nicht ihren Träumen entsprechend - eine Zukunft gestalten konnten.

 

Es ist eine Katastrophe, die niemals endet.

 


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Die Galerien sind eröffnet.

Es gilt einzutauchen in differierende Welten.

Ästhetik - Geschwindigkeit - Weite - Helligkeit- Stille - Freiheit - Einsamkeit.

 

Eine emotionale Sammlung.

 

 

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